Was ist eigentlich der Garantiezins und die Überschussbeteiligung in der Lebensversicherung?

Jedes Jahresende wieder legen die Versicherer die Überschussbeteiligungen für das kommende Jahr in der Lebensversicherung fest. Die sogenannte laufende Verzinsung einer Lebensversicherung setzt sich aus dem Garantiezins auch Höchstrechnungszins genannt (im Jahr 2017: 0,9%) und der jährlichen Überschussbeteiligung zusammen. Die Gesamtverzinsung eines Deckungskapitals (=“Spartopf des Versicherers”), setzt sich aus den vorgenannten Komponenten und eventuell einem Schlussüberschuss zusammen. Die laufende Verzinsung im Jahr 2016 der Lebensversicherer liegt im Durchschnitt bei knapp 2,92%.

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Garantiezins gilt durchgehend

Der Garantiezins wird dauerhaft für jedes Jahr der Vertragslaufzeit, unabhängig vom Kapitalanlageerfolg des Versicherers garantiert. Versicherer sind aber angehalten vorsichtig zu kalkulieren und erzielen daher über den Garantiewert hinaus eine jährliche Überrendite, an der sie ihre Kunden angemessen in Form der jährlich festzulegenden Überschussbeteiligung beteiligen müssen. Es liegt auf der Hand, dass die Kapitalanlageergebnisse seit einigen Jahren aufgrund des niedrigen Zinsniveaus abnehmen.

Überschussbeteiligung und Prognose

Das Kapitalergebnis bestimmt neben den Risiko- und Kostengewinnen wesentlich das Ergebnis der Überschussbeteiligung. Lebens- und Rentenversicherer informieren ihre Kunden regelmäßig über die bisher erreichten Vertragsstände und geben eine Prognose über die Vertragsentwicklung in der weiteren Zukunft ab. Hierbei wird in der Regel der für das aktuell deklarierte Jahr geltende Überschuss gleichbleibend für die kommenden Jahre unterstellt. Wichtig ist hierbei die Annahme bzw. Prognose des Satzes! Es liegt an der Funktionsweise dieses Modells, dass bei einer Hochrechnung beispielsweise über 20 Jahre ein Betrag X prognostiziert wird, bei einer fallenden Überschussbeteiligung in den folgenden Jahren jedoch für die verbleibenden Jahre eine Hochrechnung mit der niedrigeren Beteiligung erfolgt und sich damit ein Betrag X-Y ergibt, welcher unter dem Hochrechenergebnis bei 20 Jahren Restlaufzeit liegt.

So hat die Lebensversicherung schon immer funktioniert!

70,5 Millionen Lebensversicherungsverträge

Es ist journalistisch natürlich toll über dieses Thema zu schreiben, da man bei einem Bestand von knapp 70,5 Millionen Verträgen auf eine breite und interessierte Leserschaft trifft. Reißerische Schlagzeilen wie zuletzt von Finanztest in der Ausgabe 2/2016, “Bis zu 50% weniger Geld – handeln Sie jetzt”, machen sich dabei immer gut.

Achtung: Lebensversicherung

Fakt ist jedoch dass eine Vielzahl der Versicherungskunden die Funktionsweise verstanden haben, da gerade mal 92 Finanztest-Leser Ihre Vertragsstände offenlegten. Die im Bericht genannten “unrealistischen Überschussangaben” sind nur all zu erklärbar, bedenkt man dass in den Hochzinsjahren Überschussbeteiligungen von 7% und Garantiezinsen von 4% vorherrschten. Das bei den verbleibenden Jahren niedrigere Ergebnisse ausgewiesen werden ist konsequent und systemimmanent, und dabei wurden bei den Kunden auch keine “Falsche Hoffnungen” (Zitat Finanztest) geschürt.

Entwicklung des Garantiezins in der Lebensversicherung

Höchstrechnungszinsentwicklung

Entwicklung des Höchstrechnungszinses

Lag in den Hochzinszeiten die Inflation noch bei 3-4%, so liegt die Inflation heute nahe bei Null, was real zu einer höheren Rendite einer Lebens- oder Rentenversicherung als früher – sprich in Zeiten höherer Garantiezinsen führt.