Gut, klar, es ist meine tägliche Arbeit zum Berufsunfähigkeitsvertrag zu beraten. Aber die Aussagen von Finanztest in der Ausgabe 9/2018 zum Auffinden des richtigen Berufsunfähigkeitsvertrag, lassen mich wieder mal an der Qualifikation der Tester zweifeln. Da wird in einer „Schritt für Schritt zum richtigen Vertrag“ Anleitung, mal wieder verbraucherunfreundliche Tipps verbreitet. Seit Jahren berate ich Verbraucher zum Thema und habe mittlerweile viele hundert Berufsunfähigkeitskunden und ebenso viele Beratungen absolviert, da bin ich über die Ratschläge im Heft schon erstaunt.

Einfach so mal anfragen

Im ersten Punkt wird empfohlen, an die als günstig betitelten Anbieter im Heft, eine Angebotsanfrage zu senden. Wieso das denn? Zum einen ist doch völlig unklar welche Anbieter für den jeweiligen Beruf wirklich günstig sind, da dies von Beruf zu Beruf variiert. So kann ein günstiger Anbieter für einen Handwerker, ein teurer Kandidat für einen Anwalt sein. Besser man macht zunächst mal ein umfangreiches Marktscreening, um überhaupt die günstigen Anbieter für den jeweilig ausgeübten Beruf zu identifizieren. Und „ja“ es gibt deutlich mehr als 8 Anbieter (welche am Finanztest Ranking teilgenommen haben). (Anmerkung: Ich mach mal einen Test und keiner macht mit). Ich teste regelmäßig den deutschen Gesamtmarkt der Berufsunfähigkeitsanbieter um für meine Kunden einen Preisvergleich zu erhalten. Zugegeben ist dies für den Laien so nicht ohne weiteres möglich, da er hierfür über diverse Expertensoftware verfügen müsste, und ihm Vergleichsportale im Netz meist nicht alles verfügbare auflisten. Allein schon deshalb würde der Weg zum unabhängigen Versicherungsberater lohnen. Stundenlange bei irgendwelchen Versicherern Angebote anfordern macht nun wirklich wenig Sinn.

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Der Laie prüft

Liegen zahlreiche Angebote vor, soll der Verbraucher prüfen. Wie denn eigentlich? Ach so, ob eine „Nachversicherungsgarantie“ eingeschlossen ist. Na das dürfte einfach sein, bietet diese nahezu jeder Versicherer an. „Die Leistungsdynamik kann sinnvoll sein“, da weiß der Verbraucher nun wirklich nicht ob er es jetzt anwählen soll. Dann sollen die schwierigen Formulierungen der abstrakten und konkreten Verweisung durch den Antragsteller überprüft werden…viel Spaß dabei!

Anträge stellen und widersprechen

Zur Beantragung soll nun der BU-Suchende gleich eine Vielzahl von Anträgen eventuell mit vielen zusätzlichen Gesundheitsangaben an viele Anbieter gleichzeitig versenden, und bei anschließendem „Gefallen“ die anderen Widersprechen. Da wüsste ich besseres in der Freizeit zu tun! Lassen Sie den Quatsch und gehen Sie mit Ihren unabhängigen Versicherungsmakler besser den Weg einer einmaligen Risikovoranfrage. Dies empfiehlt Finanztest aber erst im vorletzten Punkt, nachdem der Interessent schon Anträge, welche zur dauerhaften Daten- und Diagnosespeicherung berechtigen unterzeichnet hat. Da dürfte das Kind bereits in den Brunnen gefallen sein. Gut ist wenigstens, Zitat:

„Es kann sinnvoll sein, die Hilfe eines unabhängigen Versicherungsberaters oder Versicherungsmaklers in Anspruch zu nehmen“ (ja, sinnvoll).

Deutlich zu wenig Prüfpunkte

Mit einer BU-Checkliste kann der versierte Leser dann auch noch 20 Prüfpunkte aus den Bedingungen der Versicherer überprüfen. Leider gibt es nicht 20, sondern mittlerweile mehr als 100 Punkte oder Unterschiede innerhalb der Allgemeinen Versicherungsbedingungen einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Eine Vereinfachung kann dabei für den ein oder anderen Beruf übel ausgehen im Leistungsfall.

Fazit: Berufsunfähigkeitsvertrag

Fazit: Besser nicht auf eigene Faust, kommen zu einem unabhängigen Versicherungsberater. Das geht schneller, ohne Fehler und sichert Sie optimal ab.

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