Wieder mal hat sich das Verbrauchermagazin Finanztest dem Thema Berufsunfähigkeitsversicherung angenommen (Heft 8/2015), nachdem es bereits im letzten Test massive Kritik von Kollegen und Fachleuten hagelte, wagte man sich nun erneut an das Thema Berufsunfähigkeit.

Gut ist, dass…
Generell auf die Notwendigkeit eines Berufsunfähigkeitsschutzes hingewiesen wird, sollte man seinen Beruf aufgrund von Krankheit oder Unfall – länger oder auf Dauer – nicht mehr ausüben können.

Gut ist auch, dass…
Mein Berufsstand des Versicherungsmaklers explizit empfohlen wird, so zum Beispiel zur Erlangung des Versicherungsschutzes bei Berufsunfähigkeit bei Vorliegen von Vorerkrankungen mit der Risikovoranfrage.

…wenn Sie ernsthaft krank waren, oder chronisch krank sind, lassen Sie von einem unabhängigen Versicherungsberater oder einem Versicherungsmakler anonyme Risikovoranfragen stellen.

Weniger gut ist, dass…

In einem „Tipp“ eine jährliche Zahlweise anstatt einer monatlichen Rate empfohlen wird. Dies solle zu einer Ersparnis von ca. 2,5 Prozent führen. Diese Empfehlung für sich alleine ist völlig unproblematisch, und wird auch von vielen unserer Kunden gewählt. Problembehaftet ist der Nachsatz:

 Wenn Sie wenig Geld haben, können Sie in den ersten Jahren eine niedrige Rente vereinbaren

Sobald mehr verdient wird, soll über die Nachversicherung die Berufsunfähigkeitsrente erhöht werden. Dies alles steht unter der Überschrift „Tipp“, dies impliziert, 1. Zahle immer jährlich 2. Kannst Du es nicht, lasse den Schutz einfach weg 3. Hole ihn später nach. Viele Verbraucher schreckt der einmalig hohe Betrag ab, daher zahlen vielen unserer Kunden lieber monatlich anstatt jährlich unter bewusster Inkaufnahme des Verlusts der 2,5% Prämienersparnis. Lieber ist Ihnen nach („ordentlicher Beratung“) ein bedarfsgerechter Schutz von Anfang an, also höhere Rente, auch wenn dadurch höhere Monatsraten fällig werden. Neben dem unzureichenden Schutz in den Anfangszeit, wird ausgeblendet, dass die spätere Nachversicherung deutlich teurer ist, da der neu hinzukommende Teil wie eine Neuvertrag mit neuem Eintrittsalter – und damit höherer Prämie – berechnet wird. Und was wäre, wenn vor einer Erhöhung der Leistungsfall Berufsunfähigkeit eintritt?!

Richtig, wäre der Hinweis…

Auf Einstiegstarife in den BU-Schutz, welche von Beginn an einen vollen Versicherungsschutz zu stark reduzierten Prämien anbieten, um später ohne Gesundheitsprüfung angepasst zu werden. Auch ein früher BU-Fall wäre hiermit vollständig abgesichert.

Exkurs Berufsunfähigkeit:

Eine Nachversicherungsoption ist eine Erhöhungsmöglichkeit des Berufsunfähigkeitsschutzes bei Eintritt bestimmter Ereignisse ohne erneute Gesundheitsprüfung. Ereignisse sind u.a. ein Gehaltssprung, die Geburt eines Kindes, Heirat, Scheidung etc..
Die Tipp-Empfehlung, würde Sie so von einem Fachversicherungsmakler abgegeben, wäre als Fehlberatung zu interpretiert und könnte weitreichende Haftungskonsequenzen für einen Fachmann haben, stelle man sich den zwischenzeitlichen Leistungsfall vor. Finanztest haftet im Übrigen nicht für Tipps oder Empfehlungen.
Einfacher ist es, wenn…
Sich interessierte Verbraucher direkt an einen unabhängigen Versicherungsmakler wenden, anstatt „viele Versuche….bei vielen Versicherern“ zu unternehmen. „Oft führt Hartnäckigkeit zum Ziel – oft aber auch nicht“, führt Finanztest aus. Hier wäre es doch wirtschaftlicher direkt einen Profi die Angebotseinholung und Risikovoranfragen durchführen zu lassen, anstatt sich wochenlang auf Anschreiben an Versicherer zu fokussieren. Zumal eine professionelle Anfrage deutlich mehr Erfolgsaussichten haben dürfte, als ein laienhafter Brief eines einzelnen Verbrauchers.

Alles Einheitsbrei, kann das sein?

Mehr als 70 Angebote hat Finanztest untersucht und vergibt bei mehr als der Hälfte der untersuchten Tarife ein „sehr gut“. Dies suggeriert eine nahezu einheitliche Tarifwelt, und dass es nahezu egal wäre für welchen der „guten“ Versicherer man sich entscheidet. Dies ist leider ganz und gar nicht der Fall! Finanztest untersucht lediglich 12 Bedingungsmerkmale, welche von nahezu allen Versicherern erfüllt werden. Wir untersuchen immer alle Bedingungsausprägungen mit unseren Kunden und hier gibt es insgesamt 85 Merkmale. Die Gewichtung und Einschätzung besprechen wir mit unseren Kunden und nehmen eine gemeinsame Entscheidung anhand des individuellen Berufs und der persönlichen Gewichtung von Leistungsmerkmalen vor.
Auswählen auf Verdacht?
Finanztest empfiehlt, sich an den drei vorgestellten Modellkunden zu orientieren, einer Diplom-Kauffrau, einem Industriemechaniker und einer Arzthelferin und die BU-Anbieter zu erwählen die für diese Berufe die Preisgünstigsten sind. Da Berufsunfähigkeitsversicherer die Berufswelt in sehr viele Berufsgruppen unterteilen, kann man dabei leicht falsch liegen. Lassen Sie sich besser von einem unabhängigen Versicherungsmakler auf Ihren tatsächlich ausgeübten Beruf das richtige Marktpreisniveau erstellen!

Fachliche Fehler

Finanztest führt an, „auf dem Weg zum Vertrag“, sollte man einen guten Tarif gefunden haben, man „anderen verbindlichen Angeboten“ widersprechen solle innerhalb 30 Tage. Richtig ist: Einem Angebot, sei es auch verbindlich von einem Versicherer muss nicht widersprochen werden, liegt es doch in der Natur eines Angebots. Hier meint Finanztest vermutlich einen Antrag oder Vertrag (welcher durch Angebot und Annahme zustande kommt), welcher sofern er vom Versicherer angenommen wird zu einem gültigen Vertrag führt. Neben einem Antrag gibt es auch Invitatioangebote, welche aber ebenfalls erst durch erneute Annahme des Antragstellers zustande kommen.

Fazit zum Berufsunfähigkeitsvergleich der Finanztester

Aufgrund der fragwürdigen Testsystematik mit der ungenügenden Detailtiefe und der fragwürdigen Auswahlempfehlung empfehle ich dringend keine Auswahl auf Basis dieses Artikels vorzunehmen. Kommen Sie zu uns, oder einem unseren unabhängigen Maklerkollegen, welche auf das Thema spezialisiert sind. Sie erhalten eine fachlich fundierte Beratung, Auswahl und Dokumentation der Empfehlungen.