Falschberatung zur Altersvorsorge: Warum 130 Euro im Monat Deine Rentenlücke nicht schließen

Die richtige Altersvorsorge ist keine Nebensache. Sie entscheidet darüber, ob Du im Ruhestand finanziell selbstbestimmt lebst – oder dauerhaft verzichten musst.

Eine Falschberatung zur Rentenlücke ist deshalb kein Kavaliersdelikt. Fehler wirken über Jahrzehnte – und lassen sich später kaum noch korrigieren.

In unserer Beratungspraxis erleben wir immer wieder Fälle, in denen Verbraucher mit falschen Annahmen zur Rentenlücke konfrontiert werden. Ein aktuelles Beispiel zeigt, wie gefährlich pauschale Empfehlungen sein können.


Der Praxisfall: 77.000 € Einkommen – aber nur 130 € Sparrate?

Eine Mandantin Anfang 30 kontaktierte uns kurz vor einem Jobwechsel.

Eckdaten:

  • Jahresbrutto: 77.000 €
  • Nettoeinkommen: ca. 3.500 € monatlich
  • Bisher geringe Altersvorsorge
  • Immobilie vorhanden (später mietfrei)

Ihre Frage war berechtigt:

„Wie viel sollte ich monatlich für meine Altersvorsorge zurücklegen? Reichen 10 Prozent?“

Die 10-Prozent-Regel wird häufig als Faustformel genannt. In ihrem Fall wären das rund 350 € monatlich – ein solider Start, aber noch keine fundierte Ruhestandsplanung.

Wir analysieren jedoch keine Daumenregeln, sondern rechnen konkret:

  • Gesetzliche Rente (inkl. Forecast)
  • Inflation
  • Steuerbelastung im Alter
  • Kranken- und Pflegeversicherung
  • Bestehende Verträge
  • Immobilienstatus

Nach einer ersten Einschätzung vereinbarten wir einen Folgetermin.

Laut Daten der Deutschen Rentenversicherung liegt das durchschnittliche Rentenniveau deutlich unter dem letzten Nettoeinkommen.


Überraschung im Zweittermin: „130 Euro reichen laut Verbraucherzentrale“

Im zweiten Gespräch änderte sich die Situation.
Die Mandantin erklärte, sie habe zwischenzeitlich eine Beratung bei der Verbraucherzentrale in Anspruch genommen. Dort sei berechnet worden, dass 130 € monatlich ausreichend seien.

Das Problem: Diese Zahl war objektiv nicht geeignet, die Rentenlücke zu schließen.

Eine Falschberatung zur Altersvorsorge kann langfristig enorme Auswirkungen haben. (pictures: @benzoix – freepik.com)

Die tatsächliche Rentenlücke: 610 Euro monatlich

Nach vollständiger Rentenlücken Berechnung ergab sich folgendes Bild:

  • Gewünschte Kaufkraft im Alter berücksichtigt
  • Inflation realistisch eingepreist
  • Steuer- und Sozialabgaben einkalkuliert
  • Bestehende Lebensversicherung (5.000 € Rückkaufswert, 40 € Sparrate)
  • Mietfreies Wohnen im Alter berücksichtigt

Ergebnis:

👉 Notwendige Zusatzrente: 610 € monatlich
👉 Erforderliche Sparrate: 306 € monatlich

Mit nur 130 € monatlicher Sparleistung wäre erreichbar:

  • Zusatzrente: 377 €
  • Fehlbetrag: 233 € monatlich oder 179.000 € Kapital zu Rentenbeginn

Das bedeutet: Die Rentenlücke bleibt bestehen.


Warum entstehen solche Fehlkalkulationen?

In der Praxis sehen wir häufig folgende Ursachen:

  1. Keine Berücksichtigung der Inflation
  2. Falsche Annahmen zur Nettorente
  3. Unzureichende Simulation der Rentenbezugsdauer
  4. Unrealistische Renditeannahmen
  5. Fehlende Steuerbetrachtung im Alter

Gerade bei jungen Berufstätigen wirkt eine zu geringe Sparrate zunächst harmlos. Doch über 30 bis 35 Jahre entsteht daraus ein massiver Kapitalfehlbetrag.


Die theoretischen „Alternativen“ – und warum sie riskant sind

Um die Versorgung dennoch zu sichern, wären folgende Optionen denkbar:

1. Länger sparen – bis 80 Jahre

Realistisch? Kaum.

2. Kürzere Rentenbezugsdauer

610 € nur für 17 Jahre und 3 Monate – danach wäre das Kapital aufgebraucht.

3. Dynamik von 6,9 % jährlich

Konsequent durchhaltbar? Für viele schwierig.

4. Rentenkürzung

Nur 377 € statt 610 € monatlich.

5. 10,5 % Rendite pro Jahr

Langfristig planbar? Sehr ambitioniert und mit hohem Risiko verbunden.

Keine dieser Optionen ist eine solide Strategie.


Warum pauschale Prozentregeln nicht ausreichen

„10 % vom Einkommen sparen“ klingt einfach.

Doch entscheidend sind:

  • Gewünschter Lebensstandard im Alter
  • Steuerliche Situation heute und später
  • Familiensituation
  • Immobilienstatus
  • Risikoprofil
  • Kapitalmarktannahmen
  • Inflationserwartung

Eine fundierte Altersvorsorgeplanung ist individuell – nicht pauschal. Eine Altersvorsorge Beratung muss durch Finanzexperten erfolgen.


Was Du aus diesem Fall lernen solltest

  1. Verlasse Dich nicht auf grobe Faustregeln.
  2. Prüfe jede Rentenlücken-Berechnung kritisch.
  3. Achte auf realistische Renditeannahmen.
  4. Berücksichtige Inflation und Steuern.
  5. Lasse Deine Ruhestandsplanung ganzheitlich berechnen.

Gerade mit Anfang 30 hast Du einen enormen Vorteil: Zeit.
Doch Zeit ersetzt keine korrekte Strategie. Es braucht die beste Altersvorsorge mit 30.


Unsere Empfehlung

Eine professionelle Ruhestandsplanung sollte:

  • Deine gesetzliche Rente exakt simulieren
  • Netto-Ziele statt Brutto-Schätzungen berechnen
  • Inflation realistisch einpreisen
  • Steuerliche Effekte berücksichtigen
  • Szenarien (optimistisch / konservativ / realistisch) darstellen
  • Nachhaltige Entnahmestrategien prüfen

Nur so erkennst Du frühzeitig, ob Deine Altersvorsorge wirklich tragfähig ist.


Fazit

130 € im Monat können ein Anfang sein.
Aber sie schließen nicht automatisch Deine Rentenlücke.

Die Altersvorsorge ist zu wichtig für grobe Annahmen.
Sie braucht Berechnung statt Bauchgefühl.

Wenn Du wissen möchtest, wie groß Deine tatsächliche Rentenlücke ist und welche Sparrate realistisch notwendig ist, solltest Du Deine Situation professionell prüfen lassen. Der Value of Advice macht sich bezahlt.

Denn Fehler heute wirken bis ins hohe Alter.


Transparenz- und Risikohinweis

Kapitalmarktanlagen unterliegen Schwankungen. Renditen sind nicht garantiert.
Die hier dargestellten Zahlen dienen der Veranschaulichung eines realen Beratungsfalls und stellen keine Anlageempfehlung dar. Eine individuelle Private Finanzplanung ist erforderlich.

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