Dividendenstrategie mit ETFs: Wie sinnvoll ist sie für Deine Zusatzrente?

Regelmäßig Dividenden erhalten und damit die eigene Rente aufstocken: Eine Dividendenstrategie mit ETFs klingt zunächst nach einer einfachen Lösung für die private Altersvorsorge.

Du investierst Dein Vermögen in einen ausschüttenden Dividenden-ETF und erhältst daraus mehrmals im Jahr einen Geldbetrag auf Dein Konto. Aus einem Depot von 500.000 Euro könnten bei vier Prozent Ausschüttungsrendite rechnerisch 20.000 Euro pro Jahr oder rund 1.667 Euro monatlich vor Steuern werden.

Doch ganz so einfach ist die Rechnung nicht.

Dividenden sind weder garantiert noch eine zusätzliche Rendite, die unabhängig vom Wert des Depots entsteht. Außerdem kann die Konzentration auf dividendenstarke Unternehmen zu einer schlechteren Diversifikation, unerwünschten Branchenrisiken und steuerlichen Nachteilen führen.

Entscheidend ist deshalb nicht nur, wie viel ein ETF ausschüttet. Entscheidend ist, welche Gesamtrendite nach Kosten und Steuern erzielt wird und wie zuverlässig daraus langfristig eine Zusatzrente finanziert werden kann.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Dividende ist keine zusätzliche Rendite. Sie ist ein Teil der Gesamtrendite und reduziert grundsätzlich den Wert des Unternehmens beziehungsweise des Fonds.
  • Ein breit gestreuter Welt-ETF mit einem geregelten Entnahmeplan kann denselben Zahlungsstrom erzeugen wie ein Dividenden-ETF.
  • Ausschüttungen können schwanken, gekürzt oder zeitweise ausgesetzt werden.
  • Eine hohe Dividendenrendite bedeutet nicht automatisch eine hohe Gesamtrendite.
  • Dividendenstrategien können bestimmte Branchen und Unternehmen übergewichten und dadurch die Diversifikation verschlechtern.
  • Für die Altersvorsorge sind Gesamtrendite, Kosten, Steuern, Liquiditätsplanung und Risikostreuung wichtiger als eine möglichst hohe Ausschüttung.

Was ist eine Dividendenstrategie mit ETFs?

Bei einer Dividendenstrategie mit ETFs wird gezielt in Unternehmen investiert, die regelmäßig einen Teil ihrer Gewinne an die Aktionäre ausschütten.

Der ETF bildet dafür einen bestimmten Dividendenindex nach. Je nach Index werden Unternehmen beispielsweise anhand ihrer aktuellen Dividendenrendite, ihrer Ausschüttungshistorie oder weiterer Qualitätskriterien ausgewählt.

Das Grundprinzip ist immer ähnlich – unabhängig davon, ob Du eine Dividendenstrategie mit Aktien, Fonds oder ETFs umsetzt:

Du bevorzugst Unternehmen, die laufende Erträge ausschütten, gegenüber Unternehmen, die ihre Gewinne vollständig im Unternehmen behalten oder für Wachstum, Forschung, Übernahmen und Aktienrückkäufe verwenden.

Ausschüttungen können für Anleger angenehm sein. Sie erzeugen einen sichtbaren Zahlungsstrom, ohne dass aktiv Fondsanteile verkauft werden müssen. Besonders im Ruhestand wird eine Dividende deshalb häufig als eine Art zusätzliche Rente wahrgenommen.

Ökonomisch ist die Dividende jedoch kein Geschenk.

Warum eine Dividende keine zusätzliche Rendite ist

Die Mittel für eine Dividende müssen aus dem Unternehmen beziehungsweise aus dem Fondsvermögen kommen.

Schüttet ein Unternehmen Geld an seine Aktionäre aus, steht dieses Geld anschließend nicht mehr im Unternehmen zur Verfügung. Unter ansonsten unveränderten Bedingungen reduziert sich der Unternehmenswert daher ungefähr um den ausgeschütteten Betrag.

Das lässt sich an einem einfachen Beispiel zeigen:

Ein Anleger besitzt 100 Aktien mit einem Wert von jeweils 20 Euro. Sein Aktienvermögen beträgt somit 2.000 Euro.

Das Unternehmen zahlt nun eine Dividende von einem Euro je Aktie:

  • Der Anleger erhält 100 Euro auf sein Konto.
  • Der Aktienkurs reduziert sich rechnerisch von 20 auf 19 Euro.
  • Die verbleibenden Aktien sind 1.900 Euro wert.
  • Zusammen mit den 100 Euro Dividende besitzt der Anleger weiterhin 2.000 Euro.

Alternativ hätte er fünf Aktien zu jeweils 20 Euro verkaufen können:

  • Der Anleger erhält ebenfalls 100 Euro.
  • Er besitzt anschließend noch 95 Aktien im Wert von insgesamt 1.900 Euro.
  • Auch in diesem Fall beträgt sein Gesamtvermögen 2.000 Euro.

Vor Kosten und Steuern führen beide Wege zum gleichen wirtschaftlichen Ergebnis. Im einen Fall besitzt der Anleger weiterhin gleich viele, aber etwas weniger wertvolle Anteile. Im anderen Fall besitzt er weniger Anteile, deren Kurs durch keine Ausschüttung reduziert wurde.

Dividenden-ETF oder Welt-ETF mit Entnahmeplan?

Für die private Altersvorsorge stellt sich deshalb die Frage, ob ein Dividenden-ETF tatsächlich besser geeignet ist als ein klassischer, global diversifizierter ETF mit einer späteren Entnahmestrategie.

Dividenden-ETF

Ein Dividenden-ETF zahlt die vereinnahmten Ausschüttungen regelmäßig an Dich aus. Die Höhe und der Zeitpunkt dieser Zahlungen werden jedoch weitgehend von den Unternehmen und dem ETF bestimmt.

Du kannst nicht frei festlegen, ob Du in einem bestimmten Jahr drei, vier oder fünf Prozent Deines Vermögens ausgezahlt haben möchtest.

Welt-ETF mit Entnahmestrategie

Bei einem breit gestreuten Welt-ETF investierst Du auch in Unternehmen, die keine oder nur geringe Dividenden zahlen. Dazu können Unternehmen gehören, die ihre Gewinne stärker für Wachstum, Innovation oder Aktienrückkäufe verwenden.

Im Ruhestand kannst Du selbst entscheiden, wann und in welcher Höhe Du Anteile verkaufst. Mehr über die Planung solcher Auszahlungen findest Du im FINANCEDOOR-Ratgeber zum Thema Entsparen im Alter.

KriteriumDividenden-ETFWelt-ETF mit Entnahmeplan
AnlageuniversumAuf Dividendenzahler begrenztBreiter globaler Aktienmarkt
AuszahlungshöheDurch Ausschüttungen vorgegebenVon Dir festlegbar
AuszahlungszeitpunktHäufig quartalsweise oder halbjährlichMonatlich oder nach Bedarf
DiversifikationJe nach Index eingeschränktIn der Regel breiter
AusschüttungssicherheitNicht garantiertEntnahme über Reserve planbar
SteuersteuerungAusschüttung wird automatisch realisiertZeitpunkt und Höhe der Verkäufe steuerbar
Psychologischer EffektRegelmäßiger ZahlungseingangAktiver Verkauf von Anteilen erforderlich

Eine Untersuchung von US-Aktienfonds über zehn Jahre zeigte keinen aussagekräftigen Zusammenhang zwischen der Höhe der Dividendenrendite und der später erzielten Gesamtrendite. Dividendenfonds befanden sich sowohl unter den besseren als auch unter den schlechteren Fonds. Eine hohe Ausschüttung war somit kein verlässlicher Indikator für eine überdurchschnittliche Rendite.

Für viele Anleger ist deshalb ein breit diversifiziertes ETF-Portfolio mit einer geplanten Entnahmestrategie die flexiblere Grundlage. Ein Dividenden-ETF kann ergänzend eingesetzt werden, muss aber nicht automatisch den Kern der Altersvorsorge bilden.

Wie stark können Ausschüttungen von Dividenden-ETFs schwanken?

Dividenden schwanken häufig weniger stark als Aktienkurse. Sicher oder garantiert sind sie deshalb nicht.

Unternehmen können ihre Dividenden:

  • erhöhen,
  • unverändert lassen,
  • kürzen,
  • vollständig aussetzen.

Gerade in wirtschaftlichen Krisen benötigen Unternehmen möglicherweise mehr Liquidität. Ausschüttungen werden dann reduziert, um Investitionen zu finanzieren, Schulden zurückzuführen oder die eigene Zahlungsfähigkeit zu sichern.

Während der ersten neun Monate des Jahres 2020 sanken die gezahlten Dividenden je an den US-Börsen investiertem Dollar gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 22 Prozent.

Nach der Finanzkrise kürzten oder strichen laut einer weiteren Auswertung mehr als die Hälfte der zuvor dividendenzahlenden Unternehmen ihre Ausschüttungen.

Für Deine Ruhestandsplanung bedeutet das:

Eine erwartete Ausschüttung von beispielsweise 20.000 Euro pro Jahr kann in einem schwachen Jahr deutlich niedriger ausfallen. Gleichzeitig kann auch der Depotwert sinken.

Du solltest Deine festen Lebenshaltungskosten daher nicht ausschließlich von der jeweils aktuellen Dividendenzahlung abhängig machen. Eine Liquiditätsreserve kann helfen, schwankende Ausschüttungen auszugleichen und eine gleichmäßige monatliche Zusatzrente zu ermöglichen.

Im Rahmen einer umfassenden Ruhestandsplanung werden deshalb nicht nur die erwarteten Erträge betrachtet, sondern auch Inflation, Steuern, Vermögensschwankungen und die Frage, wie lange das vorhandene Kapital reichen soll.

Typische Fallstricke einer Dividendenstrategie mit ETFs

1. Hohe Dividendenrendite ist nicht gleich hohe Gesamtrendite

Die Gesamtrendite einer Geldanlage setzt sich aus zwei Komponenten zusammen:

Gesamtrendite = Ausschüttungen + Kursentwicklung

Ein ETF kann fünf Prozent ausschütten und gleichzeitig zehn Prozent an Wert verlieren. In diesem Fall ist die hohe Dividende kein Ausgleich für die negative Kursentwicklung.

Umgekehrt kann ein Unternehmen keine Dividende zahlen, seine Gewinne erfolgreich reinvestieren und dadurch eine überdurchschnittliche Wertentwicklung erzielen.

Die untersuchten Daten zeigen entsprechend, dass dividendenzahlende Unternehmen nicht automatisch die höchsten Gesamtrenditen erzielten.

2. Die Gefahr einer Dividendenfalle

Eine außergewöhnlich hohe Dividendenrendite kann ein Warnsignal sein.

Die Dividendenrendite berechnet sich aus der Ausschüttung im Verhältnis zum Aktienkurs. Fällt der Kurs eines Unternehmens stark, steigt die rechnerische Dividendenrendite zunächst automatisch.

Ein Beispiel:

  • Dividende: 4 Euro
  • ursprünglicher Aktienkurs: 100 Euro
  • Dividendenrendite: 4 Prozent

Fällt der Kurs aufgrund wirtschaftlicher Probleme auf 50 Euro, steigt die rechnerische Dividendenrendite auf acht Prozent – obwohl das Unternehmen keinen zusätzlichen Gewinn erwirtschaftet hat.

Wird die Dividende anschließend gekürzt, verliert der Anleger möglicherweise gleichzeitig einen Teil seines Einkommens und einen Teil seines investierten Kapitals.

Eine gute Investmentstrategie sollte deshalb nicht auf einer einzelnen Kennzahl wie der aktuellen Ausschüttungsrendite beruhen.

3. Konzentrationsrisiken im Portfolio

Wer ausschließlich in dividendenzahlende Unternehmen investiert, schließt einen Teil des Aktienmarktes bewusst aus.

Im Jahr 1927 zahlten noch 68 Prozent der untersuchten US-Unternehmen eine Dividende. Im Jahr 2021 waren es nur noch 38 Prozent. Eine reine Dividendenstrategie konzentriert sich damit auf einen deutlich kleineren Teil des verfügbaren Aktienmarktes.

Dividendenindizes können außerdem bestimmte Branchen übergewichten, beispielsweise:

  • Banken und Versicherungen,
  • Energieunternehmen,
  • Versorger,
  • Telekommunikationsunternehmen,
  • etablierte Konsumunternehmen.

Unternehmen aus wachstumsstarken oder innovationsorientierten Bereichen können dagegen unterrepräsentiert sein.

Damit entsteht neben dem allgemeinen Aktienmarktrisiko ein zusätzliches Branchen- und Strategierisiko.

4. Dividenden sind kein automatischer Inflationsschutz

Dividendenaktien werden gelegentlich als Schutz vor Inflation oder steigenden Zinsen dargestellt.

Die ausgewerteten langfristigen US-Daten liefern dafür jedoch keine überzeugenden Belege. In Jahren mit hoher Inflation erzielten sowohl ausschüttende als auch nicht ausschüttende Unternehmen positive Realrenditen. Unternehmen mit hohen Ausschüttungen schnitten nicht zuverlässig besser ab als Unternehmen mit niedrigen oder keinen Ausschüttungen.

Auch in Phasen steigender Zinsen ließ sich keine systematische Überlegenheit von Dividendenaktien feststellen.

Für den langfristigen Inflationsausgleich ist daher nicht allein die Dividendenhöhe entscheidend. Wichtiger ist, ob die Unternehmen ihre Gewinne, Umsätze und Unternehmenswerte langfristig steigern können.

5. Kosten und Indexkonstruktion werden unterschätzt

Nicht jeder Dividenden-ETF verfolgt dieselbe Strategie.

Vor einer Investition solltest Du deshalb nicht nur auf die ausgewiesene Ausschüttungsrendite schauen. Wichtig sind unter anderem:

  • Gesamtkostenquote und tatsächliche Tracking Difference,
  • Anzahl der enthaltenen Unternehmen,
  • Länder- und Branchenverteilung,
  • Gewichtung einzelner Unternehmen,
  • Auswahl- und Ausschlusskriterien,
  • Häufigkeit der Indexanpassung,
  • Umgang mit Unternehmen, deren Dividende gefährdet ist.

Ein ETF mit einer hohen Ausschüttungsrendite kann trotzdem ungeeignet sein, wenn er stark konzentriert ist oder Unternehmen allein aufgrund ihrer rückblickend hohen Dividende auswählt.

Bei einer unabhängigen ETF-Beratung oder Rentenplanung sollte daher nicht die Frage nach dem vermeintlich besten Dividenden-ETF am Anfang stehen, sondern Deine gesamte finanzielle Situation.

6. Steuerliche Unterschiede zwischen Ausschüttung und Verkauf

In Deutschland gehören Ausschüttungen, Vorabpauschalen und Gewinne aus dem Verkauf von Investmentanteilen grundsätzlich zu den Investmenterträgen. Qualifiziert sich ein ETF steuerlich als Aktienfonds, sind bei Privatanlegern grundsätzlich 30 Prozent der Erträge von der Besteuerung freigestellt. Die offizielle Regelung findest Du in § 20 des Investmentsteuergesetzes.

Der entscheidende Unterschied:

Bei einer Ausschüttung wird der gesamte ausgeschüttete Betrag als Investmentertrag behandelt. Beim Verkauf von ETF-Anteilen ist dagegen nur der im Verkaufsbetrag enthaltene Gewinn steuerpflichtig.

Ein Teil des Verkaufserlöses ist lediglich die Rückzahlung Deines ursprünglich investierten Kapitals.

Thesaurierende ETFs sind dadurch nicht steuerfrei. Durch die Vorabpauschale kann bereits während der Haltedauer eine Besteuerung erfolgen. Dennoch kannst Du Zeitpunkt und Höhe Deiner Verkäufe grundsätzlich flexibler planen. Bereits versteuerte Vorabpauschalen reduzieren später den steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn.

Wie viel Kapital brauchst Du für eine monatliche Dividendenrente?

Auch bei der erwarteten Zusatzrente entstehen schnell falsche Vorstellungen.

Für eine Bruttoauszahlung von 1.000 Euro monatlich benötigst Du 12.000 Euro pro Jahr.

Erwartete AusschüttungsrenditeErforderliches Kapital für 12.000 € brutto
2,5 %480.000 €
3,0 %400.000 €
4,0 %300.000 €
5,0 %240.000 €

Diese Werte gelten vor Steuern und Kosten. Außerdem ist die Ausschüttungsrendite nicht garantiert.

Eine besonders hohe Rendite von fünf oder sechs Prozent sollte daher nicht einfach als dauerhaft sichere Rentenzahlung eingeplant werden. Häufig steigt mit der erwarteten Ausschüttung auch das Risiko von Kursverlusten, Konzentrationen oder späteren Dividendenkürzungen.

Gerade bei größeren Vermögen sollte die Frage daher nicht lauten: „Welcher ETF schüttet am meisten aus?“ Sinnvoller ist die Frage: „Welche nachhaltige Entnahme kann mein Gesamtvermögen langfristig tragen?“

Mehr zu einer sinnvollen Struktur größerer Anlagesummen findest Du im Ratgeber 500.000 Euro anlegen.

Beispiel: Dividenden-ETF oder thesaurierender Welt-ETF?

Ein Anleger verfügt zu Beginn des Jahres über ein Depot von 500.000 Euro.

Wir vergleichen zwei vereinfachte Varianten mit derselben Gesamtrendite von sechs Prozent:

Variante A – Dividenden-ETF

  • vier Prozent:

Variante A – Dividenden-ETF

  • vier Prozent Ausschüttung,
  • zwei Prozent Kursentwicklung.

Variante B – thesaurierender Welt-ETF

  • sechs Prozent Wertentwicklung,
  • anschließend Verkauf von Anteilen im Wert von 20.000 Euro.

Für die Steuerberechnung unterstellen wir:

  • Der ETF gilt steuerlich als Aktienfonds.
  • Die Teilfreistellung beträgt 30 Prozent.
  • Der Sparer-Pauschbetrag ist bereits ausgeschöpft.
  • Es fällt keine Kirchensteuer an.
  • Transaktionskosten und Vorabpauschale bleiben unberücksichtigt.
  • Alle Fondsanteile wurden zum gleichen Zeitpunkt erworben.

Das Beispiel dient ausschließlich der Veranschaulichung.

Variante A: Ausschüttung aus dem Dividenden-ETF

Vier Prozent Ausschüttung aus 500.000 Euro ergeben:

500.000 Euro × 4 Prozent = 20.000 Euro

Zusätzlich erzielt der ETF zwei Prozent Kursentwicklung. Der verbleibende Depotwert beträgt nach der Ausschüttung 510.000 Euro.

Vor Steuern besitzt der Anleger damit:

  • 510.000 Euro Depotvermögen,
  • 20.000 Euro Ausschüttung,
  • insgesamt 530.000 Euro.

Von der Ausschüttung sind nach der angenommenen Teilfreistellung 14.000 Euro steuerpflichtig. Bei 25 Prozent Kapitalertragsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag ergibt sich eine Steuerbelastung von rund 3.693 Euro.

Dem Anleger verbleiben:

20.000 Euro − 3.693 Euro = rund 16.307 Euro netto

Das entspricht rechnerisch etwa 1.359 Euro netto pro Monat.

Variante B: Verkauf aus dem thesaurierenden Welt-ETF

Der thesaurierende ETF steigt zunächst um sechs Prozent:

500.000 Euro × 1,06 = 530.000 Euro

Anschließend verkauft der Anleger Anteile im Wert von 20.000 Euro. Der verbleibende Depotwert beträgt ebenfalls 510.000 Euro.

Der bisher entstandene Gewinn beträgt 30.000 Euro. Bezogen auf den aktuellen Depotwert entspricht dies einem Gewinnanteil von rund 5,66 Prozent.

Im Verkauf über 20.000 Euro sind daher nur etwa 1.132 Euro Gewinn enthalten. Der übrige Betrag ist rechnerisch die Rückzahlung des ursprünglich investierten Kapitals.

Nach Teilfreistellung und Steuern ergibt sich in diesem vereinfachten Beispiel eine Steuerbelastung von rund 209 Euro.

Dem Anleger verbleiben:

20.000 Euro − 209 Euro = rund 19.791 Euro netto

Das entspricht rechnerisch etwa 1.649 Euro netto pro Monat.

ErgebnisDividenden-ETFThesaurierender ETF
Gesamtrendite vor Auszahlung30.000 €30.000 €
Bruttoauszahlung20.000 €20.000 €
Depot nach Auszahlung510.000 €510.000 €
Steuer im vereinfachten Beispielca. 3.693 €ca. 209 €
Verfügbarer Nettobetragca. 16.307 €ca. 19.791 €

Der Unterschied entsteht nicht durch eine höhere Anlagerendite. Beide Varianten erzielen vor Steuern dasselbe wirtschaftliche Ergebnis.

Der thesaurierende ETF bietet in diesem Beispiel lediglich einen steuerlichen Aufschub, weil beim Verkauf zunächst nur ein kleiner Gewinnanteil realisiert wird. Mit zunehmender Haltedauer und größeren aufgelaufenen Kursgewinnen steigt auch der steuerpflichtige Anteil späterer Verkäufe. Die Besteuerung wird somit teilweise verschoben und nicht dauerhaft vermieden.

Wann kann eine Dividendenstrategie mit Fonds oder ETFs sinnvoll sein?

Eine Dividendenstrategie mit ETFs kann sinnvoll sein, wenn Dir regelmäßige Ausschüttungen wichtig sind und diese Dir helfen, Deinen Finanzplan diszipliniert umzusetzen.

Sie kann beispielsweise als ergänzender Baustein eingesetzt werden, wenn:

  • Du einen sichtbaren Zahlungsstrom bevorzugst,
  • Du Ausschüttungen nicht wieder anlegen möchtest,
  • der ETF ausreichend breit diversifiziert ist,
  • die Branchen- und Ländergewichtung zu Deinem Gesamtportfolio passt,
  • Du schwankende Ausschüttungen finanziell verkraften kannst,
  • Du zusätzlich eine Liquiditätsreserve aufgebaut hast.

Problematisch wird die Strategie, wenn die Höhe der Dividendenrendite zum wichtigsten Auswahlkriterium wird oder der Dividenden-ETF das gesamte Aktienportfolio ersetzt.

Eine mögliche Lösung besteht darin, einen breit gestreuten Welt-ETF als Kern zu verwenden und einen Dividenden-ETF lediglich ergänzend beizumischen. Ob eine solche Aufteilung sinnvoll ist, hängt von Deinem bestehenden Vermögen, Deinem Anlagehorizont und Deiner gewünschten Entnahmestrategie ab.

So kann eine planbare Zusatzrente aufgebaut werden

Für eine tragfähige Zusatzrente sollte die Planung nicht allein auf den Ausschüttungen eines ETFs beruhen.

Sinnvoller ist eine Gesamtstrategie aus:

  1. einem breit diversifizierten Wertpapierportfolio,
  2. einem realistischen jährlichen Entnahmebetrag,
  3. einer Liquiditätsreserve für schwache Börsenjahre,
  4. regelmäßigen Ausschüttungen und gezielten Anteilsverkäufen,
  5. einer laufenden Anpassung an Inflation, Steuern und Lebenshaltungskosten.

Die Ausschüttungen fließen dabei zunächst auf ein Verrechnungskonto. Reichen sie für die geplante Zusatzrente nicht aus, wird der fehlende Betrag durch Anteilsverkäufe ergänzt.

Sind die Ausschüttungen höher als der aktuelle Bedarf, können sie erneut investiert oder der Liquiditätsreserve zugeführt werden.

Dadurch wird die Altersvorsorge nicht von der zufälligen Ausschüttungspolitik einzelner Unternehmen abhängig. Wie alle Vermögenswerte, Rentenansprüche und Ausgaben sinnvoll zusammenspielen, lässt sich im Rahmen einer strukturierten Altersvorsorge-Beratung ermitteln.

Fazit: Dividenden sind ein Baustein, aber keine kostenlose Zusatzrente

Eine Dividendenstrategie mit ETFs kann regelmäßige Einnahmen erzeugen und für manche Anleger psychologisch angenehm sein. Sie ist jedoch nicht automatisch sicherer oder ertragreicher als ein breit gestreuter Welt-ETF mit Entnahmeplan.

Dividenden sind ein Bestandteil der Gesamtrendite. Sie können schwanken, gekürzt oder gestrichen werden. Gleichzeitig kann die Konzentration auf Dividendenzahler die Diversifikation verschlechtern und bestimmte Branchen übergewichten.

Für Deine private Altersvorsorge solltest Du daher nicht nur auf die Ausschüttungsrendite schauen. Wichtiger sind:

  • die langfristige Gesamtrendite,
  • eine breite Risikostreuung,
  • geringe Kosten,
  • die steuerliche Gestaltung,
  • eine ausreichende Liquiditätsreserve,
  • eine flexible Entnahmestrategie.

Die entscheidende Frage lautet nicht, welcher ETF die höchste Dividende zahlt. Entscheidend ist, welche Strategie Deinen gewünschten Lebensstandard im Ruhestand langfristig finanzieren kann.

Dividenden können Deine Rente ergänzen. Eine gute Ruhestandsstrategie orientiert sich aber an Gesamtrendite, Diversifikation und einer flexiblen Entnahme – nicht an einer möglichst hohen Ausschüttungsrendite.

Du möchtest wissen, welche Entnahmestrategie zu Deinem Vermögen und Deiner geplanten Zusatzrente passt? Dann erfahre mehr über die unabhängige ETF-Beratung oder die persönliche Ruhestandsplanung von FINANCEDOOR.


Quellenhinweis

Die fachliche Grundlage des Artikels bilden drei Veröffentlichungen von Dimensional Fund Advisors zum Zusammenhang zwischen Dividenden, Gesamtrendite, Inflation und laufenden Entnahmen. Die Untersuchungen beziehen sich überwiegend auf den US-Aktienmarkt. Die grundlegende finanzmathematische Logik von Ausschüttung, Kursabschlag und Anteilsverkauf ist jedoch auch auf europäische ETFs übertragbar.

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