MSCI World ohne USA: Ist ein Ex-USA-ETF sinnvoll?

Der MSCI World gilt als einer der Standardindizes für weltweit investierende Anleger. Ganz gleichmäßig über die Welt verteilt ist er allerdings nicht: Rund 72 % des MSCI World entfallen inzwischen auf Unternehmen aus den USA. Damit hängt die Wertentwicklung eines klassischen MSCI-World-ETF zu einem erheblichen Teil vom US-Aktienmarkt und einigen sehr großen US-Unternehmen ab.

Für Anleger stellt sich deshalb zunehmend die Frage:

Ist ein MSCI World ohne USA sinnvoll – und welche ETFs gibt es dafür?

Die kurze Antwort: Ein Ex-USA-ETF kann ein sinnvoller Portfoliobaustein sein, wenn du die USA bewusst geringer gewichten oder deine bestehende US-Position ergänzen möchtest. Als pauschaler Ersatz für einen weltweit diversifizierten Aktien-ETF ist er dagegen nicht automatisch besser.

Besonders interessant ist das Thema seit 2026, weil mittlerweile neue und günstige UCITS-Produkte verfügbar sind. Dazu gehört der im August 2026 aufgelegte Vanguard FTSE All-World Ex-U.S. UCITS ETF.

Kurz zusammengefasst:
Ein ETF ohne USA ist vor allem ein Werkzeug zur Steuerung der regionalen Gewichtung. Entscheidend ist nicht, ob „USA oder Nicht-USA“ grundsätzlich besser ist, sondern welche Gesamtstruktur zu deinem Depot, deinem Anlagehorizont und deinem Risiko passt.

Wenn du dein ETF-Portfolio nicht nur nach einzelnen Produkten, sondern als Gesamtstrategie aufbauen möchtest, findest du hier unsere unabhängige ETF-Beratung.

Warum suchen Anleger nach einem MSCI World ohne USA?

Der Name „MSCI World“ vermittelt zunächst den Eindruck eines gleichmäßig über die Welt verteilten Aktienportfolios. Tatsächlich folgt der Index jedoch der Börsenkapitalisierung seiner enthaltenen Unternehmen.

Je größer ein Unternehmen an der Börse ist, desto höher fällt grundsätzlich auch sein Gewicht im Index aus.

Da die USA den mit Abstand größten Aktienmarkt stellen, beträgt ihr Anteil am MSCI World inzwischen rund 72 %. Japan folgt mit knapp 6 %, Großbritannien und Kanada jeweils mit etwas mehr als 3 %. Stiftung Warentest

Hinzu kommt eine starke Konzentration auf große US-Konzerne. MSCI weist selbst darauf hin, dass die hohe US-Gewichtung zusätzlich durch wenige sehr große Technologieunternehmen geprägt wird.

Das ist nicht automatisch schlecht. Die Gewichtung entsteht schließlich nicht willkürlich, sondern aus den aktuellen Bewertungen der internationalen Aktienmärkte.

Für Anleger kann daraus trotzdem eine wichtige Frage entstehen:

Möchte ich tatsächlich rund 70 % meines Industrieländer-Portfolios in Unternehmen mit Sitz in den USA investieren?

Wer diese Frage verneint, hat mehrere Möglichkeiten.

MSCI World ohne USA: Was bedeutet „Ex USA“?

„Ex USA“ bedeutet zunächst lediglich:

Die Vereinigten Staaten werden aus dem jeweiligen Aktienuniversum ausgeschlossen.

Der MSCI World ex USA Index enthält große und mittelgroße Unternehmen aus 22 entwickelten Märkten außerhalb der Vereinigten Staaten. MSCI deckt damit ungefähr 85 % der frei handelbaren Marktkapitalisierung der jeweiligen Länder ab.

Zum 31. August 2026 umfasste der Index 755 Unternehmen. MSCI

Wichtige Märkte sind beispielsweise:

  • Japan
  • Großbritannien
  • Kanada
  • Frankreich
  • Schweiz
  • Deutschland
  • Australien
  • Niederlande

Wichtig ist jedoch die Unterscheidung zwischen MSCI World ex USA und einem All-World ex USA.

Ein MSCI World ex USA enthält grundsätzlich Industrieländer außerhalb der USA. Schwellenländer wie China, Indien oder Taiwan sind nicht Teil des klassischen MSCI World.

Ein FTSE All-World ex USA kann dagegen sowohl Industrie- als auch Schwellenländer enthalten.

Genau diese Unterscheidung ist bei der ETF-Auswahl entscheidend.

Ist ein MSCI World ohne USA sinnvoll?

Ein MSCI World ex USA kann sinnvoll sein, wenn er innerhalb einer durchdachten Portfoliostruktur eingesetzt wird.

Typische Situationen sind:

1. Du möchtest die USA geringer gewichten

Wenn dir ein US-Anteil von rund 70 % zu hoch erscheint, kannst du beispielsweise einen US-ETF und einen Ex-USA-ETF getrennt kombinieren.

Dadurch lässt sich die Gewichtung gezielter steuern.

2. Du besitzt bereits viele US-Aktien

Wer zusätzlich zum ETF-Depot beispielsweise Aktien von Apple, Microsoft, Nvidia oder anderen US-Unternehmen besitzt, kann insgesamt noch stärker in den USA investiert sein, als es der MSCI World vermuten lässt.

Ein Ex-USA-Baustein kann dieses Ungleichgewicht reduzieren.

3. Du möchtest dein Portfolio regional selbst strukturieren

Mit getrennten Bausteinen lassen sich USA, Europa, Japan, Schwellenländer oder andere Regionen individuell gewichten.

Das erhöht allerdings auch die Komplexität.

4. Du möchtest die Abhängigkeit von einzelnen US-Technologieunternehmen reduzieren

Der MSCI World enthält zwar zahlreiche Branchen, sein hoher US-Anteil geht derzeit zugleich mit einer hohen Gewichtung großer Technologie- und Plattformunternehmen einher. Ein Ex-USA-ETF verändert deshalb nicht nur die Ländergewichtung, sondern auch die Branchenstruktur.

Dabei solltest du jedoch vermeiden, aus einer aktuellen Bewertung oder Marktphase automatisch eine langfristige Prognose abzuleiten.

Wer eine Portfolioaufteilung systematisch entwickeln möchte, findet dazu mehr auf unserer Seite zur Investmentstrategie.

Welche Nachteile hat ein ETF ohne USA?

Ein ETF ohne USA ist nicht automatisch besser diversifiziert.

Das ist einer der wichtigsten Punkte dieses Artikels.

Wer die USA vollständig herausnimmt, verzichtet zugleich auf einen erheblichen Teil des weltweiten Aktienmarktes. Viele der weltweit größten und profitabelsten Unternehmen sitzen aktuell in den Vereinigten Staaten.

Ein Ex-USA-ETF bringt deshalb mehrere mögliche Nachteile mit sich.

Die USA fehlen vollständig

Die USA stellen den größten börsennotierten Aktienmarkt der Welt. Ein vollständiger Ausschluss ist deshalb eine aktive Abweichung von der globalen Marktkapitalisierung.

Andere Regionen werden automatisch höher gewichtet

Wenn die USA entfernt werden, steigt beispielsweise das Gewicht von Japan, Europa, Kanada und anderen Märkten deutlich.

Damit verschwindet Konzentrationsrisiko nicht vollständig – es wird teilweise verlagert.

Mehr Bausteine bedeuten mehr Entscheidungen

Wer einen MSCI World durch mehrere ETFs ersetzt, muss Entscheidungen über Zielgewichtungen und Rebalancing treffen.

Aus einem einfachen Ein-ETF-Portfolio kann schnell eine komplexere Strategie werden.

„Ex USA“ bedeutet nicht zwingend geringe wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA

Ein Unternehmen kann beispielsweise in Europa oder Japan ansässig sein und trotzdem einen erheblichen Teil seines Umsatzes in den USA erzielen.

Der Unternehmenssitz ist deshalb nicht identisch mit der wirtschaftlichen Umsatzverteilung.

MSCI World ex USA oder FTSE All-World ex USA?

Hier liegt einer der wichtigsten Unterschiede für Anleger.

IndexUSAIndustrieländerSchwellenländer
MSCI Worldenthaltenjanein
MSCI World ex USAausgeschlossenjanein
MSCI ACWI ex USAausgeschlossenjaja
FTSE All-World ex USAausgeschlossenjaja

Wer lediglich den US-Anteil aus dem MSCI World entfernen möchte, kann einen MSCI World ex USA verwenden.

Wer dagegen einen möglichst breiten Weltaktienkorb einschließlich Schwellenländern, aber ohne USA sucht, sollte eher auf einen ACWI-ex-USA- oder FTSE-All-World-ex-USA-Ansatz achten.

Diese Unterscheidung war bislang für Privatanleger teilweise theoretischer Natur, weil die Auswahl günstiger UCITS-ETFs begrenzt war.

Seit 2026 hat sich das geändert.

Neu: Vanguard FTSE All-World Ex-U.S. UCITS ETF

Vanguard hat im August 2026 einen neuen FTSE All-World Ex-U.S. UCITS ETF aufgelegt.

Das Produkt ist besonders interessant, weil es nicht nur entwickelte Märkte außerhalb der USA umfasst, sondern auch Schwellenländer.

Der Fonds verfolgt den FTSE All-World ex US Index und investiert physisch in große und mittelgroße Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern außerhalb der Vereinigten Staaten. Vanguard nennt eine laufende Kostenquote von 0,12 %. Vanguard Offshore

Vanguard FTSE All-World Ex-U.S. UCITS ETF – wichtige Daten

MerkmalDaten
AnbieterVanguard
IndexFTSE All-World ex US
ISINIE0009A5ADV9
TickerUCITS-ETF / börsenabhängig
Auflage18. August 2026
Laufende Kosten0,12 % p. a.
Replikationphysisch
Ertragsverwendungthesaurierend
RegionenIndustrie- und Schwellenländer
USAausgeschlossen

Der ETF enthielt Ende August bereits mehr als 2.000 Einzelpositionen. Aufgrund seiner sehr kurzen Historie lassen sich allerdings noch keine langfristigen Aussagen über Tracking Difference, Liquidität oder tatsächliche Handelskosten ableiten.

Vanguard FTSE All-World ex USA oder MSCI World ex USA?

Die beiden Ansätze verfolgen unterschiedliche Ziele.

Ein MSCI World ex USA ETF bildet ausschließlich entwickelte Märkte außerhalb der USA ab.

Der neue Vanguard FTSE All-World Ex-U.S. UCITS ETF integriert zusätzlich Schwellenländer.

Dadurch eignet er sich eher für Anleger, die einen möglichst breiten Aktienbaustein außerhalb der USA suchen.

Wer dagegen beispielsweise bereits separat in Emerging Markets investiert, könnte mit einem MSCI World ex USA gezielter arbeiten.

Entscheidend ist deshalb nicht nur die Frage:

Welcher ETF ist besser?

Sondern:

Welche Funktion soll der ETF im Gesamtportfolio erfüllen?

Genau hier entstehen in der Praxis viele unnötig komplizierte Depots. Mehr ETFs bedeuten nicht automatisch mehr Diversifikation.

Einige konkrete Strukturen findest du auch in unserem Ratgeber ETF-Portfolio-Beispiele.

Beispiel: MSCI World mit weniger USA

Ein Ex-USA-ETF muss die USA nicht vollständig aus dem Depot verbannen.

Er kann auch mit einem separaten US-ETF kombiniert werden.

Ein rein vereinfachtes Beispiel:

Statt rund 72 % USA könnte ein Anleger beispielsweise eine selbst definierte Kombination aus

USA + entwickelte Märkte ex USA + Schwellenländer

aufbauen.

Damit lässt sich die Ländergewichtung individueller festlegen.

Das bedeutet allerdings gleichzeitig, dass du von der Gewichtung des globalen Kapitalmarktes abweichst und selbst entscheiden musst, welche Aufteilung du langfristig beibehalten möchtest.

Das ist eine aktive Portfolioentscheidung – auch wenn ausschließlich passive ETFs verwendet werden.

ETF ohne USA oder klassischer MSCI World?

Für viele Anleger bleibt ein breit gestreuter Welt-ETF eine einfache und nachvollziehbare Lösung.

Ein Ex-USA-ETF wird insbesondere interessant, wenn du einen konkreten Grund für eine andere regionale Gewichtung hast.

Die entscheidenden Fragen lauten daher:

Wie hoch ist dein gesamter US-Anteil?

Nicht nur im MSCI World, sondern über alle ETFs und Einzelaktien hinweg.

Warum möchtest du die USA reduzieren?

Wegen Risikokonzentration? Wegen vorhandener US-Aktien? Oder lediglich aufgrund kurzfristiger Markterwartungen?

Wie möchtest du den frei werdenden Anteil verteilen?

Europa? Japan? Schwellenländer? Oder proportional nach Marktkapitalisierung außerhalb der USA?

Wie willst du die Gewichtung langfristig erhalten?

Ein selbst zusammengestelltes Portfolio benötigt gegebenenfalls Rebalancing.

Wer größere Beträge investiert oder bereits mehrere Depotpositionen besitzt, sollte deshalb nicht ausschließlich einzelne ETFs betrachten, sondern die Gesamtstruktur.

Mehr dazu findest du unter unabhängige Geldanlageberatung.

MSCI World ohne USA: Für wen kann das sinnvoll sein?

Ein Ex-USA-ETF kann insbesondere für Anleger interessant sein, die

  • bereits ein hohes US-Exposure besitzen,
  • ihren US-Anteil bewusst reduzieren möchten,
  • regionale Gewichtungen selbst steuern wollen,
  • einen bestehenden US-ETF ergänzen möchten oder
  • die Konzentration ihres Gesamtdepots reduzieren möchten.

Weniger geeignet ist die Strategie möglicherweise für Anleger, die eigentlich eine möglichst einfache Ein-ETF-Lösung suchen und keinen konkreten Grund für eine abweichende Ländergewichtung haben.

Denn zusätzliche Kontrolle bedeutet fast immer auch zusätzliche Entscheidungen.

Häufige Fragen zum MSCI World ohne USA

Gibt es einen MSCI World ohne USA?

Ja. Der MSCI World ex USA Index enthält große und mittelgroße Unternehmen aus entwickelten Märkten außerhalb der USA. Ende August 2026 waren 755 Unternehmen enthalten.

Ist ein ETF ohne USA sinnvoll?

Das hängt vom bestehenden Portfolio ab. Ein Ex-USA-ETF kann sinnvoll sein, wenn die USA gezielt niedriger gewichtet oder ein vorhandener US-Baustein ergänzt werden soll. Ein vollständiger Ausschluss der USA ist dagegen eine bewusste Abweichung vom weltweiten Aktienmarkt.

Gibt es einen All-World ETF ohne USA?

Ja. Vanguard hat im August 2026 einen FTSE All-World Ex-U.S. UCITS ETF aufgelegt. Er umfasst Industrie- und Schwellenländer außerhalb der USA und kostet laut Vanguard 0,12 % jährlich.

Enthält ein MSCI World ex USA Schwellenländer?

Nein. Der klassische MSCI World ex USA enthält entwickelte Märkte außerhalb der Vereinigten Staaten. Wer zusätzlich Schwellenländer integrieren möchte, benötigt einen entsprechenden zusätzlichen Baustein oder einen breiteren Ex-USA-Index.

Ist der MSCI World zu USA-lastig?

Der MSCI World ist nach Marktkapitalisierung gewichtet. Deshalb beträgt der USA-Anteil derzeit rund 72 %. Ob diese Gewichtung für dein persönliches Portfolio zu hoch ist, hängt von deiner Gesamtstrategie ab. MSCI

Welche Alternativen gibt es zum MSCI World?

Neben einem MSCI World ex USA kommen beispielsweise globale All-World- oder ACWI-Indizes, Kombinationen aus USA und Ex-USA sowie individuell aufgebaute Regionenportfolios infrage. Welche Struktur sinnvoll ist, hängt von Anlageziel, Risiko, Zeithorizont und vorhandenem Vermögen ab.

Fazit: MSCI World ohne USA ist ein Werkzeug – keine automatische Verbesserung

Der hohe US-Anteil des MSCI World ist real: Rund 72 % des Index entfallen derzeit auf amerikanische Unternehmen. Wer dieses Gewicht reduzieren möchte, kann mit einem MSCI World ex USA oder einem All-World-ex-USA-ETF gezielt gegensteuern.

Mit dem neuen Vanguard FTSE All-World Ex-U.S. UCITS ETF steht seit August 2026 außerdem ein günstiger UCITS-Baustein zur Verfügung, der Industrie- und Schwellenländer außerhalb der USA gemeinsam abbildet.

Entscheidend bleibt jedoch die Gesamtstruktur.

Ein ETF ohne USA ist nicht automatisch risikoärmer oder besser diversifiziert. Er verändert zunächst einmal die regionale Verteilung deines Portfolios.

Wer die USA bewusst niedriger gewichten möchte, sollte deshalb zuerst festlegen, welche Zielgewichtung sinnvoll ist und wie sie langfristig beibehalten werden soll.

Du möchtest dein ETF-Portfolio professionell prüfen lassen?

Bei FINANCEDOOR betrachten wir nicht nur einzelne ETFs, sondern die gesamte Investmentstruktur: Risiko, Ländergewichtung, Kosten, Liquidität, Anlagehorizont und bestehende Vermögenswerte.

Unsere Beratung erfolgt als Honorar-Finanzanlagenberatung nach § 34h GewO ohne Produktprovisionen.

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Fachlich geprüft: 30.09.2026

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